Aktuelles/Aktivitäten


09.02.2010
bmt-Seminar mit Perdita Lübbe-Scheuermann: "Körpersprache und Ausdrucksverhalten Mensch – Hund / Optimierung der Mensch-Hund-Beziehung durch Erkennen des hündischen Ausdrucksverhaltens"
24. Oktober 2010, 10.00 – 16.30 h, inkl. Pausen
Referentin: Perdita Lübbe-Scheuermann
Veranstaltungsort: Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. (bmt), Tierheim Elisabethenhof, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim
Teilnahmegebühr: 89,-- Euro bei ca. 30 Teilnehmern
Eindeutig zweideutig: die menschliche (Körper-) Sprache
Wie unsere Körpersprache dem Hund manchmal das Gegenteil von dem vermittelt, was wir meinen.
Wie versteht/ wie liest mich mein Hund? Hündisch verstehen lernen
Wie kommuniziert der Mensch angemessen mit dem Hund?
Ohne es zu merken, senden wir permanent körpersprachliche Signale: Perdita Lübbe erläutert, wie wir Menschen unsere Körpersprache zielgerichtet einsetzen können, damit weniger Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund auftreten.Welche Rolle spielt die Stimmungsübertragung?
Einige anwesende Mensch-Hund-Teams werden in Alltagssituationen gefilmt und das Gesehene anschließend ausführlich mit Unterstützung der Videoaufnahmen analysiert. Bitte geben Sie bei der Anmeldung an, ob Sie einen Hund mitbringen. Wir können allerdings keine aktive Teilnahme garantieren.
Anmeldungen unter www.Hundeakademie.de oder direkt bei Silke Giesing unter silkegiesing@gmx.de, Tel. 0171/4212969

08.01.2010
Nicht mehr Tiere im Heim abgegeben als sonst - Lebende Geschenke unterm Weihnachtsbaum offenbar kein Thema mehr – „Aufklärungsarbeit hat sich gelohnt“
Kein einziges Tier ist nach Weihnachten im Tierheim Elisabethenhof in Dorn-Assenheim abgegeben worden. Ein gutes Zeichen für Mike Ruckelshaus, Leiter der Landesgeschäftsstelle des Bundes gegen Missbrauch der Tiere (BMT), der das Tierheim betreibt. „Die Aufklärungsarbeit im Vorfeld hat sich gelohnt“. Tierschützer raten seit langem von Spontankäufen ab, die gerade in der Urlaubszeit und kurz nach Weihnachten dazu führen,. dass viele Tiere ausgesetzt oder abgegeben werden und die Tierheime überfüllen.
Im August hatte der BMT gegen den Verkauf von Kleintieren in Baumärkten protestiert – mit dem Slogan „Spontankauf bei Tieren kommt nicht in die Tüte“. „Man geht durch den Markt, kauft einen Hammer, einen Schraubenzieher und weil man gerade daran vorbeigeht, vielleicht noch ein Kaninchen.“ beschreibt Ruckelshaus die Situation, in der die Familie kurz entschlossen um einen Vierbeiner größer wird. „Dass Kaninchen bis zu 12 Jahre alt werden können, bedenkt dabei niemand.“
Nachfragen bei den Tierhaltern hätten belegt, dass die Mehrzahl der Kleintiere aus Baumärkten stammen und spontan angeschafft wurden. „Bereits kurze Zeit später werden die Tiere oft lästig, stehen der Urlaubsplanung im Weg und werden kurz entschlossen im Heim abgegeben oder anderweitig "entsorgt“ rügt Ruckelshaus. Ein Grund dafür sei das Personal, das nicht immer über ausreichende Sachkunde verfüge. „Ziel des Gesprächs ist der Verkauf“. Oft unterliege schon die Geschlechterbestimmung dem Zufallsprinzip, vermeintlich gleichgeschlechtliche Tiere bekämen plötzlich Nachwuchs. „Auch auf die Sozialstrukturen der Tiere untereinander wird keine Rücksicht genommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die gleichzeitig angebotenen Käfige in der Regel viel zu klein sind und eine artgerechte Haltung verhindern.“ Aus allen diesen Gründen fordert der BMT ein generelles Verkaufsverbot von Tieren in Baumärkten.
Eine viel bessere Anlaufstelle seien Tierheime, wirbt Ruckelshaus. „Hier findet ein umfassende Beratung hinsichtlich der Bedürfnisse der Tiere an eine artgerechte Haltung und Fütterung statt“ sagt er. „Zudem sind die Tierheim-Tiere meist kastriert, sodass unerwünschter Nachwuchs verhindert wird. Bestehen Zweifel an der Eignung des zukünftigen Halters, raten unsere Mitarbeiter auch schon mal von der Übernahme eines Tieres ab.“
Auch im Tierheim Wetterau in Bad Nauheim Rödgen, das Fundtiere aufnimmt, sind nach Weihnachten nicht mehr Tiere als sonst untergekommen. „Wir haben zur Zeit drei Fundhunde, die weggelaufen sind oder ausgesetzt wurden“, berichtet eine Mitarbeitern. „Das ist aber nicht auf Weihnachten zurückzuführen“.
Wetterauer Zeitung, 08.01.2010

08.09.2009
Mischling Lucy gewinnt Casting für TV-Rolle
Reichelsheim (lk). Der 6. September war wohl der erfolgreichste Tag ihres Lebens: Sie gewann nicht nur die Wahl zum schönsten Mischlingshund, sondern setzte sich auch beim Casting der Trick-Dogs durch. Damit hat sie die Chance auf eine Rolle beim Fernsehsender Sat1. Die Rede ist von Lucy, einer drei Jahre alten Mischlingshündin. Gemeinsam mit seinen Besitzern war der Hund zum großen Sommerfest des Tierheims Elisabethenhof in Dorn-Assenheim gekommen. »Dass sie gleich zweimal gewinnt, hätte ich nie im Leben gedacht«, jubelte Lucys glückliches Frauchen, Stefanie Rohusch aus Langenhain.
Zufrieden war auch Mike Ruckelshaus, Landesgeschäftsführer des Bundes gegen Missbrauch der Tiere (BMT): »Wir hatten an beiden Tagen rund 1000 Besucher.« Am Samstag sei es auf Grund des schlechten Wetters etwas ruhiger gewesen, aber: »Das wird heute alles nachgeholt«, sagte Ruckelshaus. Und wirklich: Am Sonntag war der Außenbereich des Tierheims mit Menschen und Hunden sehr gut gefüllt. Flohmarkt und große Tombola, eine Vorführung der Hundeschule und die Wahl zum schönsten Mischlingshund lockten zahlreiche Besucher an.
Highlight des Festes war jedoch der Auftritt der Trick-Dogs. Das Team der Trick-Dogs - bestehend aus Tiertrainern und Hundehaltern - zeigte, dass mit viel Übung beinahe alles möglich ist: Hunde, die in schwindelerregender Höhe Männchen machen oder sich auf Kommando in einem Koffer verstecken.
Aber auch Kopfschütteln, Tisch decken und rückwärts gehen ist für die Hunde der Trick-Dog-Truppe kein Problem.
Wer genug gesehen hatte, konnte Kaffee, Kuchen und andere Leckereien genießen. Dabei war auch an Vegetarier und Veganer gedacht: Neben Pommes und Kartoffelpuffern stand Chili con Tofu auf dem Speiseplan.
An Ständen informierten die vielen ehrenamtlichen Helfer über die artgerechte Haltung von Tieren, und ein Plakat machte auf die aktuelle Kampagne des BMT aufmerksam, die sich gegen den Verkauf von Kleintieren in Baumärkten richtet. Derzeit warten noch viele Tiere des Elisabethenhofs auf ein neues Zuhause. »Wir haben momentan 25 Hunde, darunter auch Junghunde, 100 Katzen und 45 Kleintiere zu vermitteln«, sagte Mike Ruckelshaus, bevor er Margit und Alfred Kaminski gratulierte, die soeben einen Fernsehapparat - den ersten Preis der Tombola - gewonnen hatten.
© Wetterauer Zeitung 2009

26.08.2009
"In jedem Sommer ist es das gleiche Drama" - Tiere werden wegen Urlaubs abgeschoben - Finanznot sorgt auch dafür, dass Hunde und Katzen ausgesetzt werden
Andrea HenneckeREGION. Die Reiselust der Deutschen, aber auch die Wirtschaftskrise mit Kurzarbeit und Hartz IV machen vor Vierbeinern nicht halt. Während der Sommerferien entledigen sich verantwortungslose Menschen vor dem Urlaub ihrer "Lieblinge", schieben sie ins Tierheim ab oder setzen sie schlimmstenfalls aus. Aber auch wegen finanzieller Notlagen trennen sich Menschen von ihren Vierbeinern. Tendenz steigend. So etwa ist die Auffangstation im Findörfer Hof, die vom Tierschutzverein Büdingen betreut wird, derzeit mit Katzen überfüllt. "In jedem Sommer ist es das gleiche Drama. Die Leute reisen in den Urlaub, wollen aber ihr Tier nicht mitnehmen und haben sich auch keine Gedanken über dessen Betreuung gemacht", prangert Vorstandsmitglied Uta Eichenauer die Unvernunft vieler Tierbesitzer an.
Bereits kurz nach Ferienbeginn seien vermehrt Anrufe besorgter Bürger über streunende Katzen eingegangen. "Da wir ein Auffanglager sind und nur begrenzt Tiere aufnehmen können, stellt die erhöhte Anzahl von Katzen mitsamt des Nachwuchses vor allem in den Sommermonaten ein echtes Problem dar. Außerdem wird es immer schwieriger, Tiere zu vermitteln. Denn die meisten Leute wollen keine Verantwortung mehr übernehmen", sagt Eichenauer. Ein Notfall, so die stellvertretende Tierschutzvereinsvorsitzende Dietlind Gribar, ist Kater Sam, der seit Anfang April im Findörfer Hof sitzt. Er hat durch Misshandlung oder einen Unfall zwei Drittel seines Schwanzes verloren. Er ist lieb und anschmiegsam und wünscht sich als Freigänger ein gutes Zuhause. Wer eine Katze sucht, der sollte im Findörfer Hof zwischen Düdelsheim und Orleshausen vorbeischauen (06041/50102).
"Jemand, der Tiere aussetzt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und muss mit Bußgeld rechnen", erklärt der Leiter der Landesgeschäftsstelle Hessen des Bundes gegen den Missbrauch der Tiere (BmT) und Hauptverantwortlicher für den Elisabethenhof Reichelsheim, Mike Ruckelshaus. Vor den Toren des Hofes entledigte sich kürzlich jemand skrupellos seiner Meerschweinchen: Die Mitarbeiter fanden eine Box voller kleiner Nager in der prallen Sonne.
Seit etwa einem Jahr würden verstärkt Tiere im Elisabethenhof abgegeben beziehungsweise sich selbst überlassen. Das habe mit der schlechten Wirtschaftslage zu tun, meint Ruckelshaus. "Die Kosten für Tierarzt, Steuern und Nahrung sind durch finanzielle Notstände der Tierhalter oftmals nicht mehr tragbar. Und so landen nicht nur Hunde, sondern auch Katzen und Kleintiere im Tierheim", weiß er aus Erfahrung. Derzeit leben 85 Katzen und 25 Hunde auf dem Elisabethenhof und warten auf neue Besitzer.

(Foto: Andrea Hennecke)
Ein Zuhause bei lieben Menschen sucht der Terrier-Mischling Ringo. Obwohl dem Rüden der linke Vorderlauf amputiert werden musste, ist das Kerlchen voller Power und Lebensfreude. Wegen der Behinderung sollte Ringos künftiges Zuhause über einen ebenerdigen Zugang verfügen. Wer einem Tier ein Heim geben möchte, sollte sich im Elisabethenhof umschauen (06035/5916).
Aber auch Sommerhitze macht vielen Tieren zu schaffen. Instinktiv suchen Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Kühe, Pferde und Schafe schattige Plätze, schonen sich, dösen vor sich hin oder kühlen sich im Wasser ab. Erschreckend ist, wie viele unvernünftige Menschen ihre Tiere in unerträglicher Mittagsglut und unter praller Sonne größten Strapazen aussetzen. So etwa sieht man immer öfters Jogger bei sengender Hitze im Duett mit ihren Hunden laufen. Wenn es überhaupt noch eine Steigerung an "sportlicher Tierquälerei" gibt, dann sind es die Fahrradfahrer, die ihre vierbeinigen Freunde angeleint durch die Gegend jagen. "Jeder Hund läuft mit seinem Besitzer mit, und wenn es bis zur totalen Erschöpfung oder bis hin zum Tod ist", weiß die Büdinger Tierschützerin Uta Eichenauer. Deshalb appelliert sie an die Hundebesitzer, während des Hochsommers zu keiner Tageszeit das Tier auf Fahrradtouren oder zum Joggen mitzunehmen.
An die Autofahrer, die ihren Vierbeiner mit dem Auto kutschieren, richtet Mike Ruckelshaus den eindringlichen Aufruf, das Tier niemals allein im parkenden Fahrzeug zu lassen - auch nicht für die berühmten fünf Minuten. Denn jede Blechkarosse heizt sich bei Sonnenschein dermaßen schnell auf, dass der Innenraum locker 60 Grad und mehr erreicht und für zurückgelassene Tiere zur Todeszelle wird. "Weil die Sonne im Lauf des Tages wandert, können sich sogar Schattenplätze sehr schnell zu einem Glutofen entwickeln", warnt Ruckelshaus und fordert die Bevölkerung auf: "Passanten, die ein Tier in einem überhitzten Auto entdecken, sollten umgehend die Polizei rufen, um den Wagen öffnen zu lassen."
Das Gassi-Gehen sollte sich bei Hitze ausschließlich auf die frühen Morgen- und späten Abendstunden beschränken, und selbst dann seien keine langen Strecken angeraten, so Ruckelshaus mit Nachdruck. Wenn Hunde gerne ins Wasser gingen, sollte ihnen die Möglichkeit dazu gegeben werden, sei es in Bachläufen, Flüssen, Seen oder in einem flachen Wasserbottich im Garten.
Auch Kaninchen oder Vögel sollten vor Sonneneinstrahlung geschützt werden und immer ausreichend Wasser bekommen, um sie vor gesundheitlichen Schäden und qualvollem Schwitzen zu bewahren. Pferde und Rinder sollten auf der Weide die Möglichkeit erhalten, jederzeit schattige Plätze aufzusuchen.
Kreis-Anzeiger vom 15.05.2009

15.06.2009
Kaltschnäuziger Kollege mit einem großen Herz
Bad Nauheim (sk). Es ist dieser tieftraurige Blick. Mensch, lass mich nicht allein! Das mag ich nicht. Nimm mich mit! Bitte! Doch Mensch geht. Er muss: Zur Arbeit. Tigger kann auch Hundeblick. Doch zumindest was das Alleinegelassenwerden betrifft muss die Berner-Sennenhund-Dame das probate Mittel zur Eigeninteressenwahrung selten einsetzen, denn Tigger darf ihr Frauchen zur Arbeit begleiten. Christiane Roth ist Art Director bei »milch & zucker«, einem Unternehmen für Marketingkonzepte und Softwarelösungen in Bad Nauheim, und Tigger ist dort als »Bürohund« fester Bestandteil des Arbeitsalltags.
Mike Ruckelshaus (43) ist für den Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Landesgeschäftsstelle Hessen/ Rheinland-Pfalz/Saarland tätig. In diesen Bereich fällt auch die Verantwortung für das Tierheim Elisabethenhof in Reichelsheim.
»Wohl des Hundes sollte im Mittelpunkt stehen«
Gibt es von Seiten des Bundes gegen Missbrauch der Tiere Einwände, dass Menschen ihre Hunde mit zur Arbeit nehmen?
Mike Ruckelshaus: Nein, ganz im Gegenteil. Wir begrüßen es ausdrücklich. Ich denke, dass jeder Hund in erster Linie die Nähe seines Menschen bevorzugt, denn Hunde sind soziale Lebewesen, die über ein ausgeprägtes Sozialverhalten und eine besondere Kommunikationsfähigkeit verfügen. Wenn ›Bürohunde‹ bei uns der Normalfall wären, würden sich bestimmt mehr Berufstätige einen Hund anschaffen, dies wäre eine zusätzliche Chance für die herrenlosen Hunde in unseren Tierheimen. ›Bürohunde‹ können zum Abbau von Ängsten bei Nicht-Hundehaltern und zu einem richtigen Umgang mit Hunden beitragen.
Die Atmosphäre im Büro soll sich durch die Anwesenheit der Hunde angeblich bessern. Was halten Sie von dieser These, und was hat der Hund davon?
Ruckelshaus: Die positiven Auswirkungen von Hunden auf den menschlichen Körper und die Psyche sind hinreichend bekannt. Unzählige gesundheitsfördernde Effekte der Hundehaltung sind durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Beim gemeinsamen Spielen mit dem Hund schüttet unser Körper weniger Stresshormone, dafür aber mehr Endorphine (Glückshormone) aus. Hundehalter sind seltener krank als Menschen ohne Haustier. ›Bürohunde‹ tragen zu einem besseren Betriebsklima und einer höheren Motivation bei und können somit eine Produktivitätssteigerung bewirken.
Die Hunde selbst profitieren von der ständigen Gesellschaft und Nähe ihres Sozialkumpans Mensch.
Haben sie selbst Erfahrungen mit »Bürohunden«?
Ruckelshaus: Persönlich kann ich auf verschiedene Beschäftigungsverhältnisse zurückblicken, die es mir ermöglichten, meinen Hund mit ins Büro zu nehmen. Vor einigen Jahren war ich als parlamentarischer Referent und persönlicher Mitarbeiter einer Landtagsabgeordneten tätig. Mein damaliger Hund, zudem ein sogenannter Kampfhund, war während meiner Arbeitszeit im Hessischen Landtag bei mir und mutierte schnell zu einer Art ›Fraktionsmaskottchen‹, sein Porträt zierte sogar eine Wahlkampfbroschüre. Eine Kollegin, die zuvor panische Angst vor Hunden hatte, wurde seine beste Freundin innerhalb der Fraktion. Mein Hund war zu diesem Zeitpunkt und wahrscheinlich überhaupt der einzige ›Kampfhund‹ in ganz Deutschland, der ständig in einem Parlament ein- und ausging.
Gibt es Hunderassen/Hunde, die sich besonders gut eignen für den »Kollegen-Job«. Oder umgekehrt: Welche Hunde eignen sich eher nicht?
Ruckelshaus: An Rassen würde ich das prinzipiell nicht festmachen wollen, vielmehr an der charakterlichen Konstitution. Grundsätzlich eignet sich jeder Hund als ›Bürohund‹. Lediglich besonders ängstliche und stressanfällige Hunde sollte man äußerst behutsam an das ›Arbeitsleben‹ heranführen. Dabei sollte immer das Wohl des Hundes im Vordergrund stehen, grundsätzlich sollten kleinere Spielpausen und Gassi-Gänge in den Büroalltag integriert werden.
Bad Nauheim (sk). Es ist dieser tieftraurige Blick. Mensch, lass mich nicht allein! Das mag ich nicht. Nimm mich mit! Bitte! Doch Mensch geht. Er muss: Zur Arbeit. Tigger kann auch Hundeblick. Doch zumindest was das Alleinegelassenwerden betrifft muss die Berner-Sennenhund-Dame das probate Mittel zur Eigeninteressenwahrung selten einsetzen, denn Tigger darf ihr Frauchen zur Arbeit begleiten.
Christiane Roth ist Art Director bei »milch & zucker«, einem Unternehmen für Marketingkonzepte und Softwarelösungen in Bad Nauheim, und Tigger ist dort als »Bürohund« fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Tiggers Job: lieb sein, lieb gucken, Schwanz wedeln, schlafen und Frauchen zu Spaziergängen animieren. Tigger hat bei »milch & zucker« noch zwei weitere kaltschnäuzige Kollegen: Kiga, ein Siberian Husky, der Dr. Michael Fuchs zur Arbeit begleitet, und die kleine Jack-Russell-Hundedame Sinclair, die ihre großen vierbeinigen Kollegen schon mal kräftig anknurrt, aber mit den Mensch-Mitarbeitern gut auskommt, wie Herrchen Alexander Juwell-Thomas versichert.
Für dieses menschlich-tierische Miteinander ist »milch & zucker« kürzlich mit dem vierten Platz bei der Aktion »hundefreundlichstes Unternehmen im deutschsprachigen Raum« ausgezeichnet worden. Die Initiatoren, die Online-Communities »HalloHund.de« und »coach-dogs.com«, möchten mit diesem Wettbewerb Werbung machen für die »Einstellung« von weiteren tierischen Kollegen.
Damit liegen sie voll und ganz auf der Linie des Deutschen Tierschutzbundes. Der hat für den 25. Juni zur zweiten Auflage des »Kollege-Hund«-Tags aufgerufen (siehe Kasten unten). An der ersten Auflage dieses (im wahrsten Sinn des Wortes) Schnuppertags hatten sich in Deutschland über 800 Firmen beteiligt.
Bei Christiane Roth war es kein missionarischer Eifer oder eine emotionale Verklärung, sondern die schlichte Notwendigkeit, die dazu geführt hat, dass der Hund mit ins Büro kommen sollte. Dass ihr Hund und die Tiere ihrer Kollegen nach entsprechend bestandener Probezeit von »milch & zucker« »übernommen« worden sind, liegt freilich auch daran, dass Regeln eingehalten werden. Kläffer oder aggressive Hunde hätten keine Chance auf Aufnahme. Auch die Kunden der Firma sollen nicht belästigt werden. Schließlich sind nicht alle Menschen Hundefreunde. Ein Rechtsanspruch darauf, den Hund mit ins Büro nehmen zu dürfen, gibt es nicht.
Doch es gibt viele Argumente für den »Kollegen Hund«. Der dankt nämlich seine Einstellung durchaus. »Die Hunde liefern einen positiven Beitrag zum Arbeitsklima. Selbst wenn es bei uns hektisch wird, wird es doch nie laut. Sonst würden die Hunde anfangen zu bellen«, sagt Christiane Roth. »Fast alle mögen die Hunde, begrüßen und streicheln sie.«
Dass die Anwesenheit von Hunden am Arbeitsplatz positive Auswirkungen im Bereich der so genannten »Softskills« hat, ist wissenschaftlich belegt (siehe Interview mit Mike Ruckelshaus rechts). Die Kommunikation unter den Mitarbeitern nimmt zu, die Stimmung wird besser, die Motivation und die Produktivität der Mitarbeiter erhöhen sich. Im Grunde ist das Prinzip »Kollege Hund« also eine feine Symbiose.
Das tierische »Anforderungsprofil«: Der Hund sollte stubenrein, gut erzogen, nicht aggressiv, aber auch nicht ängstlich gegenüber Fremden sein. Auch sollte er bei kurzer Abwesenheit des Besitzers ein Ersatzfrauchen/-herrchen akzeptieren. Welpen sind ungeeignet, weil sie sehr verspielt sind und viel Aufmerksamkeit einfordern. Aus Hundesicht sollte der Arbeitsplatz einen Bereich zum Rückzug bieten und nicht zu laut sein.
Das kollegiale Miteinander von Hund und Mensch funktioniert letztlich nur, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind: Ein Arbeitskollege mit Hundeallergie wird sicherlich zu Recht ein Veto einlegen. Wenig erbaulich dürfte die Anwesenheit der Vierbeiner auch für Menschen sein, die sich vor Hunden aller Art fürchten. In manchen Firmen könnte es Probleme aus Hygienegründen geben. Es gibt sicherlich auch eine mengenmäßige Obergrenze. »Wir sind hier 40 Leute. Wenn jeder seinen Hund mitbringen würde, wäre das zu viel«, sagt Christiane Roth. Bei »milch & zucker« waren es zeitweise vier Hunde, die sich auf den verschiedenen Etagen in den Büros verteilten, was bestens funktioniert hat.
In vielen Firmen dürfte aber auch einfach niemand darüber nachgedacht haben, dass es vielleicht ganz nett sein könnte mit dem »Kollegen Hund«. Christiane Roth jedenfalls kann es sich ohne »nur ganz schwer vorstellen. Das ist sehr wichtig für mich. Es ist mit Hund schon netter.«
Wer würde denn sonst morgens die Kollegen beim Treffpunkt Kaffeemaschine auf Hundeart, also schwanzwedelnd, einen erfolgreichen Arbeitstag wünschen? Und wer würde dafür sorgen, dass Frauchen mittags nicht am Schreibtisch essend die Pause verbringt, sondern draußen im Kurpark bei Wind und Wetter durch einen ausgiebigen Spaziergang die Arbeitsfähigkeit wiederherstellt? Und wer würde liebevoll den Kopf auf den Schuh des gestressten Kollegen legen? Der Chef bestimmt nicht!
Schnuppertag: »Kollege Hund«
Der Deutsche Tierschutzbund ruft für den 25. Juni zum bundesweiten »Kollege-Hund«-Tag auf. An der ersten Auflage vor einem Jahr hatten sich über 800 Firmen beteiligt und ihren Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, ihren Hund zum Schnuppertag mitzubringen.
Der Schnuppertag soll Mitarbeitern und Hunden dazu dienen, ein mögliches Miteinander am Arbeitsplatz auszutesten. So können Firmen, bei denen Hunde bisher tabu waren, ihre Berührungsängste überwinden und Hundehalter dem Chef und den Kollegen - deren Einverständnis vorausgesetzt - einmal ihren tierischen Freund vorstellen. »Schon bald merken dann auch die Skeptiker: Der Hund als Kollege wird zum unverzichtbaren Teammitglied«, sagt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
© Wetterauer Zeitung 2009

Januar 2009
Petition: Abschaffung der Zuschüsse der Europäischen Union für Fischerei und Viehzucht

Dezember 2008
Legehennenhaltung 2009 - Tierqual in neuem Gewand
Die scheinbar gute Nachricht: Die Haltung von Legehennen in der
Käfigbatterie ist nach jahrelangem Kampf zu Ende. Seit 1.1.2009 darf
dieser tierschutzwidrige Käfigtyp nicht mehr verwendet werden. Die
schlechte Nachricht: Bei genauerer Betrachtung ändert sich für die
Legehennen wenig. Denn statt des alten Käfigsystems, in dem jeder
Legehenne eine Fläche von lediglich 550 cm2 zur Verfügung stand, können
die Tiere nun in so genannten Kleingruppenkäfigen gehalten werden. Hier
steht jedem Tier eine Fläche von 800 cm2 zur Verfügung, vergleichbar
der Größe eines Aktendeckels.
Am 6. Juli 1999 hatte das
Bundesverfassungsgericht in seinem „Legehennen-Urteil“ den rechtlichen
Ausstieg aus der tierschutzwidrigen Käfighaltung eingeleitet. Die
Richter machten deutlich, dass die grundlegenden Verhaltensbedürfnisse
der Tiere durch das Tierschutzgesetz umfassend geschützt seien und
nicht unangemessen zurückgedrängt werden dürften – auch nicht aus
wirtschaftlichen Gründen. Zudem wiesen sie darauf hin, dass der
Verordnungsgeber sich nicht auf ein tierschutzrechtliches
Minimalprogramm beschränken dürfe.
Gut acht Jahre nach dem
Urteil des höchsten Gerichts stehen Tierschutzorganisationen im Kampf
um ein Verbot der tierschutzwidrigen Haltung von Legehennen in Käfigen
fast wieder am Anfang. Denn der nun zugelassene Kleingruppenkäfig ist
keineswegs ein „tierschutzfreundliches Haltungssystem“, wie die
Geflügelindustrie lautstark verkündet. Vielmehr ist der
Kleingruppenkäfig ebenso wie das Vorgängermodell tierschutzwidrig.
Aufgrund der räumlichen Enge, der geringen Höhe und der damit
einhergehenden Unmöglichkeit zur Trennung von Ruhe- und
Aktivitätsbereich werden zahlreiche Grundbedürfnisse der Tiere stark
zurückgedrängt. Der neue Käfigtyp stellt eine Verbrauchertäuschung dar,
weil er den Anforderungen des Tierschutzgesetzes und somit der klaren
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts widerspricht.
Tierfreunde
hoffen nun auf die von Rheinland-Pfalz initiierte Normenkontrollklage
gegen die derzeitig gültige Legehennenhaltung und auf eine rasche
rechtliche Klärung.

Dezember 2008
Petition für die Tierschutz-Verbandsklage in Berlin
Die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e. V., der Tierschutzverein für Berlin und Umgebung e. V. und
der Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. (bmt) rufen zur Unterzeichnung einer Online-Petition für die Einführung
der Tierschutz-Verbandsklage in Berlin auf.
Hier können Sie mitzeichnen:
www.tierschutzklage.de

2. Dezember 2008
"Herrchen gesucht": Aktuelle Presseberichte DER SPIEGEL und DIE WELT vom 2. Dezember 2008
TV-TIERSHOW "HERRCHEN GESUCHT" - Beim HR wird der Hund begrabenHunde
müssen künftig draußen bleiben - Enten und Esel auch. Der Hessische
Rundfunk stellt wegen mieser Quoten nach 33 Jahren seine Kultshow
"Herrchen gesucht" ein. Proteste von Tierschützern halfen nichts - und
sogar die nackten Beine von Sonya Kraus verfehlten ihre Wirkung.
Frankfurt/Main
- 3,9 Prozent. So mager waren die Einschaltquoten der Tiershow
"Herrchen gesucht" im Jahr 2008 - und damit war dann wohl die
Schmerzgrenze des Hessischen Rundfunks (HR) erreicht. Nach 33 Jahren
stellt das Regionalprogramm seine Kultsendung "Herrchen gesucht" ein,
in der Hunden, Katzen und Wellensittichen via televisionärem Hilferuf
ein neues Heim gesucht wurde.
Die Absetzung der Show wird nach
Angaben der Nachrichtenagentur ddp von "massiven Protesten" begleitet.
Vor knapp drei Wochen hätten sogar rund 150 Tierschützer vor dem
HR-Sitz in Frankfurt am Main für die Sendung demonstriert, heißt es.
Selbst
HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp räumt ein, dass die Reaktionen der
Fans in mehr als 1000 Anrufen und Briefen teilweise "sehr heftig"
gewesen seien. Unter anderem sammelten Tierschützer mehr als 10.000
Unterschriften zum Erhalt der Show. Krupp sagte, dass auch ihm
"Herrchen gesucht" sehr am Herzen liege. Doch vor allem die Konkurrenz
von ARD und Vox, die beide Tier-Doku-Soaps anbieten, habe der Show zu
schaffen gemacht, so dass die Quote einzelner Sendungen sogar unter 1,2
Prozent gelegen hätte.
Ein Sprecher des HR fasste das Dilemma
folgendermaßen zusammen: "Alle wollen die Sendung behalten, aber keiner
will sie schauen."
Erfolg, Hybris, Niedergang Angefangen
hatte die Geschichte der Tiervermittlung im HR 1975 als siebenminütiger
Pausenfüller. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sendung zu einer
der erfolgreichsten im "Dritten Programm" - teilweise mit zweistelligen
Einschaltquoten. Andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zogen
mit Formaten wie "Tiere suchen ein zu Hause" (WDR) nach.
Wie
HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp nun erläuterte, begann der Niedergang
von "Herrchen gesucht" ausgerechnet zum Zeitpunkt des größten Erfolges.
Als die damalige Moderatorin Barbara Siehl vor sechs Jahren
zweistellige Einschaltquoten verzeichnete, forderte die Redaktion einen
Sendeplatz am Montagabend. Der Wunsch wurde erfüllt, doch "von da an
ging es mit der Sendung sukzessive bergab", stellte Krupp nun fest.
2005
verließ zu allem Unglück auch noch die Star-Moderatorin die Show
(Barbara Siehl hat nach eigenen Angaben insgesamt 10.000 bis 20.000
Tiere vermittelt). "Frau Siehl ist ganz klar eine Identifikationsfigur
und war für viele Zuschauer ein Einschaltmotiv", heißt es in Krupps
Analyse. Zuletzt wurde die Sendung von Miriam Deforth moderiert.
Um
den Niedergang zu stoppen, verschob der HR mehrfach den Sendeplatz der
Show - ohne Erfolg. Stattdessen hagelte es Kritik, wie beispielsweise
vom Geschäftsstellenleiter des Bundes gegen Missbrauch der Tiere, Mike
Ruckelshaus.
Der Tierschützer fand herbe Worte für die
Verschiebe-Praxis des HR. "Die häufige Sendeplatzverschiebung war Gift
für die Sendung", sagte er ddp. Trotz der miesen Quote fordert er den
Erhalt von "Herrchen gesucht" auf dem früheren Sendeplatz am Montag und
mit einem neuen Konzept. Da der Tierschutz als Staatsziel verankert
sei, stehe "der HR als öffentlich-rechtlicher Sender in der Pflicht,
die Sendung zu erhalten".
Kampf mit kurzen Röcken Die
Sendung sei eine Plattform gewesen, um zu zeigen, dass schwer
vermittelbare Tiere "keine Beißmaschinen", sondern ganz friedliche
Hunde seien, betonte Ruckelshaus. Durch die Einstellung von "Herrchen
gesucht" befürchtet Ruckelshaus auch negative Auswirkungen auf den
Tierschutz in Hessen.
In der Show können
Tierschutzorganisationen aus Hessen und angrenzenden Regionen Hunde,
Katzen und Kleintiere, gelegentlich auch Enten, Gänse, Pferde, Esel,
Schweine, Schafe und Ziegen - vorstellen, um für sie ein neues Herrchen
zu suchen.
Ab dem 6. Dezember ist es damit nun vorerst vorbei,
dann wird die letzte Ausgabe von "Herrchen gesucht" ausgestrahlt -
aller Proteste und Bittbriefe zum Trotz.
Selbst ein
aufreizendes Angebot der ProSieben-Moderatorin Sonya Kraus, die ihren
ersten Hund über die Sendung bekommen hatte, half nicht mehr. Die für
ihre kurzen Röcke bekannte TV-Frau wollte "Herrchen gesucht" ein Jahr
lang kostenlos moderieren - in ihrem kürzesten Rock.
Der HR reagierte auf die Offerte nicht.
chc/ddp
SpiegelOnline

Dezember 2008
Tiersendung - Das Aus für "Herrchen gesucht" nach 33 Jahren
Hunde, Katzen, Enten, Ziegen und Pferde – für Tausende von Tieren hat
die Sendung "Herrchen gesucht" des Hessischen Rundfunks bereits ein
neues Zuhause gefunden. Doch während Zoo-Sendungen immer populärer
werden, sacken die Quoten der Tiervermittlung ins Bodenlose. Deshalb
kommt jetzt das Aus
Da werden wohl alle Proteste nichts nützen:
Nach 33 Jahren wird die Sendung „Herrchen gesucht“ aus dem
Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks (HR) verschwinden. Wegen der
schlechten Einschaltquote wird die Kultsendung am Samstag (6. Dezember)
zum letzten Mal ausgestrahlt – trotz der Proteste von Fans und
Tierschützern. „Alle wollen die Sendung behalten, aber keiner will sie
schauen“, sagt HR-Sprecher Tobias Häuser.
Angefangen hatte die
Geschichte der Tiervermittlung im HR 1975 als siebenminütiger
Pausenfüller. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sendung zu einer
der erfolgreichsten im „Dritten Programm“ und verzeichnete teilweise
zweistellige Einschaltquoten. Doch davon ist „Herrchen gesucht“
mittlerweile weit entfernt. „Die Einschaltquote in diesem Jahr lag bei
durchschnittlich 3,9 Prozent“, sagt HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp.
Zeitweise hätten sogar nur 1,2 Prozent der Zuschauer die wöchentliche
Sendung gesehen. Vor allem an die ARD und Vox, die beide
Tier-Doku-Soaps anbieten, habe die Sendung Zuschauer verloren.
In
der Sendung können Tierschutzorganisationen aus Hessen und angrenzenden
Regionen einige ihrer Schützlinge – Hunde, Katzen und Kleintiere,
gelegentlich auch Enten, Gänse, Pferde, Esel, Schweine, Schafe und
Ziegen – vorstellen, um für sie via Bildschirm ein neues Zuhause zu
suchen.
Der Niedergang von „Herrchen gesucht“ begann laut Krupp
ausgerechnet zum Zeitpunkt des größten Erfolges. Als die damalige
Moderatorin Barbara Siehl vor sechs Jahren zweistellige Einschaltquoten
verzeichnete, forderte und erhielt die Redaktion einen Sendeplatz am
Samstagabend. „Von da an ging es mit der Sendung sukzessive bergab“,
sagt Fernsehdirektor Krupp.
Nicht zuletzt, weil die beliebte
Moderatorin die Sendung Mitte 2005 nach 30 Jahren abgab. „Frau Siehl
ist ganz klar eine Identifikationsfigur und war für viele Zuschauer ein
Einschaltmotiv“, räumt Krupp ein. Da half es auch nichts, dass Siehls
Nachfolgerin und aktuelle Moderatorin Miriam Deforth ein Casting gegen
zwölf Mitbewerberinnen gewonnen hatte.
Durch mehrfaches
Verschieben des Sendeplatzes versuchte der HR dann vergeblich,
„Herrchen gesucht“ aus dem Quotentief zu holen. Doch gerade das war
nach Ansicht von Mike Ruckelshaus, Geschäftsstellenleiter des Bundes
gegen Missbrauch der Tiere (bmt), ein Fehler. „Die häufige
Sendeplatzverschiebung war Gift für die Sendung“, glaubt Ruckelshaus.
Er fordert den Erhalt von „Herrchen gesucht“ auf dem früheren
Sendeplatz am Montag und mit einem neuen Konzept. Da der Tierschutz als
Staatsziel verankert sei, stehe „der HR als öffentlich-rechtlicher
Sender in der Pflicht, die Sendung zu erhalten“.
Die Sendung sei
eine Plattform gewesen, um zu zeigen, dass schwer vermittelbare Tiere
„keine Beißmaschinen“, sondern ganz friedliche Hunde seien, betont der
Tierschützer. Durch die Einstellung von „Herrchen gesucht“ befürchtet
Ruckelshaus auch negative Auswirkungen auf den Tierschutz in Hessen.
Vor
knapp drei Wochen protestierten rund 150 Tierschützer vor dem HR für
den Erhalt der Sendung und erhielten dabei unverhofft prominente
Unterstützung: Fernsehmoderatorin Sonya Kraus, die ihren ersten Hund
selbst über die Sendung bekommen hatte, bot an, „Herrchen gesucht“ ein
Jahr lang kostenlos zu moderieren – und das in ihrem kürzesten Rock,
wie die Blondine hinzufügte. Der HR reagierte auf die Offerte nicht.
Fernsehdirektor
Krupp räumt ein, dass ihm „Herrchen gesucht“ sehr wohl am Herzen liege
und die Reaktionen der Fans in mehr als 1000 Anrufen und Briefen
teilweise „sehr heftig“ gewesen seien. Unter anderem sammelten
Tierschützer mehr als 10.000 Unterschriften zum Erhalt der
Tiervermittlungssendung. „Selbst meine Tochter hat gesagt, die Sendung
dürfe nicht eingestellt werden, aber selbst schauen will sie sie auch
nicht“, sagt Krupp. Und so wird „Herrchen gesucht“ am 6. Dezember wohl
trotz aller Proteste letztmalig über die Bildschirme flimmern.
DDP/kami
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